Leopoldina erweist CDS-Forschung einen Bärendienst
Leipzig, 07.07.2026
In ihrer aktuellen Stellungnahme „Agentische KI im Gesundheitssystem: Chancen und Herausforderungen“ empfiehlt die Leopoldina dem BMFTR „agentische KI“ als strategisches Schwerpunktthema zu fördern. Die „agentische KI“ stellen sich die Autoren dabei als Zusammenspiel unterschiedlicher LLM-Modelle vor, die das medizinische Personal ersetzen kann.
Als Auto-Metapher formuliert – wir sind nun mal in Deutschland – soll hier das autonome Fahren gefördert werden, in einer Zeit kurz nach der D-Mark. Abstandsregeltempomaten (die Augen des Autos!) gelten als Wunderwerk der Automobiltechnik. Alle sind sich einig: Es braucht nur ganz viele Abstandsregeltempomaten. Mehr Technologie braucht es nicht. Das Auto fährt schon ganz bald ohne Fahrer.
Nun ist die Medizin weit komplexer als der Straßenverkehr. Aber die Leopoldina ist sich sicher: Bitte das Geld ab sofort nicht mehr in langweilige Assistenzsysteme („konventionelle KI“) stecken. Es braucht nun ganz viele LLMs. Mehr Technologie braucht es nicht. Die Patientenversorgung läuft schon ganz bald ohne Arzt.
Da kann man die Akademie der Wissenschaften schon mal fragen:
Wie soll das das Zusammenspiel funktionieren, wenn wir in Deutschland für die einzelnen Bestandteile (KI-Medizinprodukte) noch kein einzige randomisiert-kontrollierte Studie mit patient outcomes durchgeführt haben?
Welche Evidenz kann die Leopoldina vorlegen, dass sich alle irren und das ärztliche Personal eben doch schon bald ersetzt werden kann?
Wie sollen tatsächlich Forschende im Bereich Clinical Decision Support (CDS) mit den in die Welt gesetzten unrealistischen Erwartungshaltungen seitens Förderer (KI wird den Arzt ersetzen) und medizinischen Personal (KI wird den Arzt ersetzen) umgehen?
Es gibt sicherlich gute Anwendungsbereiche für ein Zusammenspiel aus LLM-Modellen. Aber sollte man sich darauf versteifen? Was könnte man statt einer ganz spezifischen Methodik fördern? Wir hätten hier ein paar technologieoffene Empfehlungen:
- Datenqualität
- Klinische Studien
- Kompetenzen der Kliniken und KlinikerInnen
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